Mendoza - Payunia - Las Leñas

(08.08.08)

Mein letztes Ziel in Argentinien war Mendoza, sowohl die Provinz als auch die Hauptstadt gleichen Namens. Zwar stehen auf meiner Wunschliste für Argentinien noch soo viele interessante Orte, vor allem im Süden, aber dafür reichte mein Zeitbudget leider nicht. Mein letzter Tag in Santiago war der 27. Juli und bereits am fünften August wollte ich mich mit der Tini in Rio de Janeiro treffen - 2750 Kilometer Luftlinie weiter im Norden.
Aber so wahr ich der Philipp bin - es wird der Tag kommen, an dem ich den Süden auch noch kennenlernen werde.
Mendoza ist vor allem für zwei Dinge berühmt. Seine traumhafte Lage am Rande der Anden und seinen sehr guten Wein. Ich bin ja eher so der Weinbanause, aber ich habe mir sagen lassen, die besseren Sorten können's auf jeden Fall mit den europäischen Weinen aufnehmen. Und überall in der Stadt wird dieser auch verkauft, was eher untypisch für eine argentinische Stadt ist. Ebenfalls untypisch für eine argentinische Stadt sind Sportgeschäfte mit Skiausrüstung. Die hats hier an jeder Ecke, da es in der Provinz diverse Skigebiete gibt. Dazu aber später mehr.
In Mendoza kann man wunderbar einen Tag verbummeln, und das habe ich auch gemacht. Die wie eine "5 auf einem Würfel" angeordneten Plazas liegen im Zentrum der Stadt und werden teilweise von Kolonialarchitektur umrahmt. Fast alle Straßen sind begrünt, oder zu dieser Jahreszeit auch bebraunt, und man muss oft zwei Mal hinschauen um die noblen Häuser dahinter zu entdecken. Wie in Freiburg werden viele Straßen auch von kleinen Bächlein begleitet. Diese werden jedoch von kaltem Andenwasser gespeist. Wenn man genug von der Stadt hat kann man sich dem gigantisch großen Park widmen oder auf den angrenzenden Hügel steigen um die Stadt zu überblicken.

Am zweiten Tag habe ich einen Ausflug zur chilenischen Grenze unternommen. Der Tag fing schön an, nach einiger Zeit war es jedoch ziemlich stürmisch und verschneit und so konnte ich nicht die übermannsgroße Christusstatue sehen, welche weiter oben als Symbol des Friedens zwischen Chile und Argentinien thront. Weiter unten, also wieder von der Grenze weg, kann man den Parque Provinicial Aconcagua besuchen. In der Hoffnung wenigstens hier einen schönen Blick zu erhaschen, bin ich mit Diego und Cintia, die ich kurz davor kennengelernt hatte und die das Gleiche vorhatten, in den Park gestiefelt. Wie man weiter oben erkennen kann, war die Aussicht hier ebenfalls eher mäßig und aufgrund von Schnee und Wind haben wir uns nicht weiter vorgewagt - war auch relativ anstrengend knietief durch den Schnee zu waten.
Von dort aus haben wir dann eine Schnee- und Matschwanderung ganz nach meinem Geschmack zu einem weiteren Naturphänomen unternommen. Über stillgelegte Gleise und Brücken haben wir die Puente del Inca erreicht. Diese ist eine natürlich entstandene Brücke über den Fluss. Durch Ausfällen und Ablagern diverser Wasserinhaltsstoffe (Carbonate, Calcite) aus einer heissen Quelle hat sich hier im Laufe der Jahrtausende eine natürliche Brücke gebildet, welche durch ihre bunten Farben einen recht spektakulären Anblick bietet.

Nach der Stadtbesichtigung und dem Ausflug in die Berge war mein nächstes Ziel Malargüe weiter im Süden der Provinz. Die Stadt an sich hat nichts Besonderes zu bieten ist jedoch Ausgangspunkt für zwei Ziele auf meiner Wunschliste in dieser Provinz:
- Das Reserva Provincial La Payunia hat mit über 800 Vulkankegeln angeblich die höchste Vulkandichte weltweit und ist ein echter Geheimtipp. Leider war ich nicht im Besitz eines fahrbaren Untersatzes und so habe ich an einer geführten Tour teilgenommen. Dies ist normalerweise nicht so mein Stil (ich bin eher so der Selbst-Entdecken-Typ), aber manchmal ist dies nicht anders möglich. Und die Tour war ja auch in Ordnung mit gutem Mittagessen und so, aber die Landschaft war der Oberhammer. Schwarzer Vulkanboden so weit das Auge reicht, Wüstenvegetation, Lavabomben, spektakuläre Aussichten, ein aufgesprengter Krater und die ganze Zeit ein 3700m hoher Vulkan im Hintergrund. War zwar ein langer Tag (12h-Gelände-Tour) aber insgesamt mehr als lohnenswert.
- Am Tag danach und quasi als Abschluss meiner Zeit in Argentinien habe ich mir noch ein Extraschmankerl gegönnt. Ca. 50 km von Malargue entfernt und auf 2200m Höhe befindet sich der Skiort Las Leñas und Juli und August gelten als schneesichere Monate in diesen Breiten. Nun wär ja irgendwie blöd wenn ich das auslassen würde. Also habe ich mir eine Skiausrüstung samt Skihose geliehen und den furztrockenen Pulverschnee geschnuppert. Das Wetter war super und die Tiefschneeabfahrten waren ein Erlebnis. Leider war jedoch die beste Piste vom Gipfel (3430m) aufgrund von zu starkem Wind gesperrt. So blieb mir die Königsabfahrt leider verwehrt, aber ich habe mich auch so vergnügt. Preislich merkt man zwar nicht, dass man in Argentinien ist (könnte auch Schweiz sein) und versnobbte Leute gibt es auch hier, aber der Schnee war was Besonderes. Und wann kommt man schon mal wieder in die Anden zum Skifoan?
So. Das waren also meine letzten vergnügten Tage in Argentinien. Als nächstes sollte mir eine Busfahrt von lässigen 56 Stunden bevorstehen. Über Buenos Aires und Foz do Iguaçu bin ich nach Rio de Janeiro gefahren. Davon aber im nächsten Eintrag mehr...

Adios Santiago del Estero. Me voy...

(27.07.08)

Por mis amigos santiagueños: Gracias por un tiempo hermoso! Fue un honor, vivir en la pieza con Yuni, Diego y Facha y los otros chicos de la Casa UNSE: Carla, Afif, Paola, Nelba, Hernan, Turko y Edit.
Gracias a Daniel Farias para ayudarme en cada situación desde un principio. Tanto en el projecto como en todas otras cosas. Espero que pude contribuir al projecto.
Muchas gracias tambien a David y su familia: Tere, Mario, Diana, Miguel, Dante. La cabrita y las otras comidas fueron ricissimo. Me he encontrado a gusto a sus casa y me gustaria volver algun dia. Y con David he tenido un tiempo muy bueno en el trabajo, a la fiesta de la ciudad, jugando ping-pong... ;-)
Un abrazo tambien por mis amigos en la casa de las fiestas grandes : Juanci, Mariella y Cecilia, Cholo, Mati... Mucho Fernet aqui y gracias por las comidas tambien.
Voy a extranar todos ustedes! Un abrazo grande.

Ja, natürlich sind die zwei Monate in Santiago viel zu schnell vorbeigegangen. Am Anfang ist man aufgeregt und hat ein komisches Gefühl im Bauch und zum Schluss will man gar nicht mehr gehen. Ich habe hier wirklich schnell Freunde gefunden und mich sehr wohl gefühlt. Mein Prof hat sich super um mich gekümmert, nicht nur was das Projekt betraf (ich habe übrigens bei einem Projekt zur Dynamik von Flussmäandern mitgearbeitet), sondern allgemein. Er hat mir überall geholfen wo es nötig war und darüber hinaus. Und mit den Jungs und Mädels in der Casa war's ein Heidenspaß. Zwar hat man eine gewisse Einschränkung was die Privatsphäre betrifft, wenn man zu viert in einem Zimmer wohnt, aber es gab sehr viel zu lachen. Und das war es wirklich wert.
Hm was bleibt mir zu sagen? Adios Santiago! Es war super. Vielleicht schaff' ich's ja mal wieder

Buenos Aires - Sierras de Cordoba

(18.07.08)

So hier kommen mal wieder ein paar Neuigkeiten. Die letzten Wochen sind schnell vergangen, ohne dass ich mich hier gemeldet habe. Und die Zeit vergeht auch wie im Flug. Nächste Woche ist schon meine letzte hier in Santiago del Estero und ich glaube der Abschied wird mir alles andere als leicht fallen, weil ich hier wirklich viele tolle Leute kennengelernt habe. Nunja aber damit werde ich mich beschäftigen wenn es so weit ist.
Am 05. Juli habe ich mich mit der Tini in Buenos Aires getroffen. Wir wollten beide etwas mehr Zeit für die Stadt und so habe ich halt mal eine Woche "frei" genommen. Man hat uns angeraten ein Hostel zu reservieren, weil in den Ferien viel los ist. Die Reservierung in unserem Hostel hat dann leider nicht so ganz geklappt aber wir haben trotzdem noch was anderes gefunden.

Das vorherrschende Thema in Buenos Aires ist natürlich der Tango. An allen Ecken sieht man Schilder für Tango-Shows und die Kunstmärkte sind überfüllt von Bildern, Fotografien und Kunstwerken zum Thema Tango. Wenn man Glück hat sieht man wirklich gute Musiker und Tänzer direkt auf der Straße. Wir haben leider nur die Musiker gesehen und für eine teure 2-stündige Tango-Show hat es dann irgendwie nicht mehr gereicht. Aber das Feeling kam auf jeden Fall rüber.

Ansonsten haben wir uns natürlich alle interessanten Viertel in der Nähe angeschaut: In San Telmo ist nachts die Hölle los, Palermo, Microcentro, das moderne Puerto Madero, La Boca welches berühmt ist für seine bunten Häuser, das Reichenviertel Recoleta... Es gibt viel zu sehen. An manchen Ecken in Recoleta kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus vor lauter Protz und Glanz und in dem nicht-touristischen Teil von La Boca sollte man alleine besser nicht die Straßen erkunden - so fühlt es sich zumindest an. Die Stadt hat viele Gesichter und dennoch könnte man meinen, man befinde sich in einer europäischen Großstadt.
Das kulinarische Highlight in B. A. war das halbe Rind - siehe drittes Bild. Selten in meinem Leben habe ich so ein saftiges Steak gegessen. Also ehrlich, wer hier kein Rind isst hat echt was verpasst. Es war eine Geschmacksexplosion, ein Fest der Sinne...

Am Dienstag haben wir Buenos Aires hinter uns gelassen und sind nach Cordoba gefahren. Für die zweitgrößte Stadt Argentiniens und studentische Partyhochburg des Landes haben wir uns jedoch nur einen Tag Zeit gelassen, da wir lieber die Sierras de Cordoba kennenlernen wollten. Dies haben wir auch getan und sind nach langem Überlegen erst in den Norden gefahren, nach Capilla del Monte. Der ursprüngliche Plan war, dort auf den Cerro Uritorco (1949 m) zu steigen. Da der Weg dorthin jedoch geschlossen war - nein man kann nicht einfach draufloswandern sondern muss an irgendeiner Stelle Eintritt zahlen, da Privatgrundstück - sind wir in die andere Richtung gelaufen und haben eine tolle Flusslandschaft mit Minicanyon entdeckt. Hier konnte man toll klettern, waten, krabbeln, veschpern, posen, abhängen und die Seele baumeln lassen (siehe Fotos 10-14). Das ganze war ein Tagesausflug und so sind wir am Abend wieder nach Cordoba zurückgekehrt.

In den Sierras liegt der Parque Nacional Quebrada del Condorito, welcher der östlichste Punkt der Anden ist, an dem Condore und deren Junge anzutreffen sind. Condorito bedeutet übrigens so viel wie Condörchen und ist somit quasi ein Oxymoron (danke Frau Denker, 10. Klasse Deutsch), weil die Kleinen von denen ja auch schon Riesenmöbel sind. Der Nationalpark liegt auf dem Weg von Cordoba nach Mina Clavero, also Richtung Südwesten, quasi mitten im Nichts. Dort haben wir uns mit unseren Rucksäcken absetzen lassen und sind drauflos gewandert. Auf 2000 Meter war es dann schon ein Kittel kälter und vor allem windiger als in Cordoba aber die Landschaft dort oben und die Heerscharen von Condoren in der Schlucht waren ein Erlebnis! Leider war die Kamera aus irgendeinem unerfindlichen Grund auf einer niedrigen Auflösung eingestellt und so sind die Fotos (Tiergalerie Folge 3) leider nicht gerade der Hit. Den Condoren beim Fliegen zuzuschauen ist echt ne feine Sache. Wenn man mit dem Fernglas in den Himmel schaut sieht man Punkte weit oben die man mit dem bloßen Auge nicht erkennt. Und wenn eins dieser Riesenviecher urplötzlich über der Schlucht auftaucht bekommt man schon einen gewissen Respekt. Ich hab' immer wieder zur Tini rübergeschaut, ob sie noch da ist... ;-)
Die Schlucht liegt in einer gewissen Entfernung zum Parkeingang und so mussten wir uns sputen, um noch rechtzeitig an die Straße zurückzukehren und den Bus nach Mina Clavero zu erwischen.

Dort haben wir uns an unserem letzten gemeinsamen Tag - tadaa - die Flusslandschaft angeschaut. Was wäre die Welt nur ohne Flüsse?
Am Abend hieß es Abschied nehmen, da ich wieder nach Santiago zurück musste und die Tini sich mit ihrer Mitbewohnerin in Montevideo treffen wollte. Als nächstes sieht man sich dann wahrscheinlich in Rio...
Super Woche!


Philipps lustige Tiergalerie (Folge 3):

Salta - Cachi - Cafayate

(18.06.08)

Am 16.06 war in Argentinien Vatertag, also Feiertag. Ein guter Grund für mich, das lange Wochenende zu nutzen und einen Wochenendausflug an den Rand der Anden zu starten. Dies ist zur Zeit gar nicht so einfach, da die Busverbindungen stark beeinträchtigt sind aufgrund von Streiks in der Landwirtschaft.

Ich hatte jedoch Glück und konnte mit einem Kollegen von meinem Professor nach Salta mitfahren. Salta ist Hauptstadt der Provinz Salta (so wie Santiago del Estero Hauptsadt der Provinz Santiago del Estero ist) und liegt am Rande der Anden. Und ich muss sagen, selten hat mir eine Stadt so schnell zugesagt wie Salta. Ich weiss nicht so genau, woran es lag. Die Parks, die Kolonialarchitektur, die Lage mit Blick auf die Anden - irgendwie passt alles so gut zusammen. Ich jedenfalls hab mich sofort wohl gefühlt - man könnte sich die Stadt sehr gut für ein Auslandssemester vorstellen. Ich hab mir sagen lassen, das Studentenleben hier hat es in sich...

Von Salta aus habe ich den frühst möglichen Bus nach Cachi genommen. Cachi ist ein kleines Berdorf (~3000 Einwohner) und liegt ca. vier Busstunden südwestlich von Salta auf 2300m. Besonders spektakulär ist die Anfahrt dorthin, da die Straße direkt an den Berg geklatscht ist. Ich hab mich auf ein kaltes Wochenende eingestellt, da es bewölkt und windig war, nach der Hälfte der Fahrt haben wir jedoch die Wolkendecke passiert und naja seht selbst...
In Cachi hab ich ein wenig die Gegend erkundet und den ein oder anderen "Hügel" bestiegen. Außer Kakteen und klein Büschen wächst hier nicht viel, da arides Klima und so. Aber als Hobbygeologe mag man ja auch Steinwüsten und wenig Vegetation. Auf jeden Fall hat die Ruhe und Einsamkeit in den Bergen zwischendurch sehr gut getan.

Mein eigentliches Ziel war jedoch Cafayate, welches für seine skurrilen Gesteinsformationen bekannt ist. Leider fährt von Cachi aus kein Bus, also musste ich den Daumen raushalten. Das ist gar nicht so einfach bei einer Piste, wo alle halbe Stunde mal ein Auto vorbeikommt. Aber ich hatte Glück, denn ich wurde von einem jungen Päärchen aus Buenos Aires mitgenommen. Leider gabs nur zwei Sitzplätze, also musste ich in den Kofferraum. Das ist an sich ja nichts Spektakuläres aber Ignacio (der Fahrer) hat sich offensichtlich auf die nächste Rally Paris - Dakar vorbereitet und so haben wir die 100 Kilometer Schotterpiste nach Cafayate in Rekordzeit zurückgelegt. So war ich zwar schnell am Ziel, konnte jedoch die atemberaubende Landschaft der Valles Calchaquíes nicht wirklich genießen. Und ich sags euch, so was habt ihr noch nicht gesehen! Unglaubliche Felsformationen. 9.5 von 10 Punkten auf meiner "Ich-bin-beeindruckt-Skala". Leider habe ich von den Tälern nur verwackelte Autofotos - ihr müsst mir also glauben. Ein absoluter Geheimtipp!

Die Hauptattraktion in Cafayate ist die Quebrada de Cafayate - quasi die Nachbarschlucht zur 9.5-Punkte-Schlucht. Hierfür habe ich mir ein Fahrrad ausgeliehen und mich mit dem Taxi talabwärts bringen lassen. Der "Rio de las Conchas" hat hier verschiedenste Felsformationen freigelegt, die in allen denkbaren Formen, Größen und Farben zum Vorschein kommen. Diese sind auf dem Weg zurück nach Cafayate teilweise direkt von der Straße aus zu sehen. Man kann aber auch einfach das Fahrrad hinter einen Busch legen und draufloswandern. Und so kommt man an Gesteinsformationen mit Namen wie "Teufelsrachen", "Amphitheater" oder "Obelisk" vorbei und ich muss sagen diese Namen sind durchaus gerechtfertigt. Am Eindrucksvollsten fand ich die bunten, schräg einfallenden Sandsteinschichten (siehe unten) - man kommt sich ein bisschen vor wie in einer anderen Welt.
Ja 50 km mit dem Fahrrad sind leichter gesagt als geradelt und so musste ich gegen Nachmittag dann doch kräftig in die Pedale treten um meinen Bus nach Salta nicht noch zu verpassen. - Landschaflich ein einmaliges Wochenende.


Philipps lustige Tiergalerie (Folge 2):

Argentinien ruft!

(03.06.08)

Nach insgesamt 44 Stunden Anreise bin ich gut in Santiago del Estero angekommen. Ich bin gerade ein bisschen durch den Wind, weil ich nicht so viel geschlafen habe und alles auf einmal auf Spanisch zu gehen hat. Aber ich wurde sehr herzlich von meinem Prof empfangen, der mich gleich mal zum Essen mit nach Hause genommen, mir seine Familie vorgestellt und mich in die Bude hier gebracht hat. Ich bin hier in einer kleinen Unterkunft gegenüber der Uni zusammen mit diversen verrückten Argentiniern (Der Andi weiss wovon ich spreche). Morgen werden wir dann mal auschecken, was ich hier so überhaupt dann mache...

Iguaçu - Ilha do Mel

(28.05.08)

Für eine Woche sind wir dem spätsommerlichen Porto Alegre entflohen und Richtung Norden gereist. Das macht man hier für überschaubare Strecken im 1000-Kilometer-Bereich am Besten mit dem Bus. Es gibt eine große Auswahl an Busgesellschaften, welche fast jede größere Stadt in oben genanntem Umkreis täglich anfahren. Um Zeit und Übernachtungskosten zu sparen, empfiehlt es sich einen Nachtbus nehmen (Tipp: Nie zu nahe am Klo sitzen!). Diese sind wirklich komfortabel, oft doppelstöckig und man kann darin ganz gut schlafen, sofern der Busfahrer nicht gerade fährt wie ein Berserker.
So haben wir am Sonntag (18.05.08) Abend den Bus nach Foz do Iguaçu genommen wo wir am nächsten Morgen gegen 10 Uhr bei strahlend blauem Himmel angekommen sind. Hier gibt es zwei große Sehenswürdigkeiten. Zum einen wäre da das recht umfangreiche Projekt Itaipú zu nennen - eine gigantische Staumauer mit dazugehörigem Wasserkraftwerk. Der produzierte Strom geht zur Hälfte an Paraguay und zur Hälfte an Brasilien. Die produzierte Energie deckt ein Vielfaches des Energiebedarfs von ganz Paraguay ab, und so wird ein Großteil davon wieder an Brasilien zurückverkauft. Die Ausmaße dieses Monsters sind erst richtig zu begreifen wenn man Vergleiche anstellt: Der benötigte Beton würde ausreichen um sämtliche Hochhäuser von Manhatten zu bauen. Und mit dem verbauten Stahl könnte man 380 Eifeltürme bauen...
Ob nun die Umsiedelung von Mensch und Tier, die Abtragung von Land und Abholzung von Regenwald und die Veränderung des Flusslaufes, in diesem Fall des Rio Paraná, für diese Art der Energiegewinnung gerechtfertigt sind sei mal dahingestellt, dennoch ist das Bauwerk an sich ein beeindruckender Anblick.
Das Highlight in Foz do Iguaçu ist aber nicht der Staudamm, sondern die weiter südlich gelegenen und vom Rio Iguaçu gespeisten Wasserfälle (Cataratas). Diese rühmen sich die schönsten der Welt zu sein. Und obwohl sie nicht so bekannt wie die Niagara-Fälle und so hoch wie die Victoriafälle sind, sind sie doch die größten im Sinne von breitesten der Welt. Bei unserem Besuch führte der Iguaçu nicht besonders viel Wasser und dennoch waren die Wasserfälle gigantisch. Aber seht selbst...

Von Iguaçu gings mit dem Nachtbus nach Curitiba. Und dort haben wir am Donnerstag Morgen den sogenannten Serra Verde Express nach Paranaguá erwischt. Das ist eine 150km lange Eisenbahnstrecke aus dem Jahre 1885 die quer durch den Dschungel zum Meer führt und dabei einen Höhenunterschied von 950m überwindet. Bei einem Zwischenstopp mitten im Urwald wären wir beinahe spontan ausgestiegen, da man hier bis auf ein paar Backpacker und besagten Zug seine vollkommene Ruhe mitten in der bergigen Urwaldlandschaft hat. Traumhaft, aber unser Zeitbudget war knapp. Das nächste Mal auf jeden Fall!
Ilha do Mel war für mich dann Höhepunkt der Woche. Wir haben uns in einer bescheidenen Surfer-Pousada eingemietet und das Strandleben in vollen Zügen genossen. Ja und hier hab ichs dann ein bisschen bereut meine Badehose vergessen zu haben (hab mir dann natürlich eine neue gekauft. Mit Badewetter und -temperaturen hatte ich nämlich nicht gerechnet). Strände hat es hier genug und wenn man lange genug läuft ist man auf einmal ganz alleine. Alles ein bisschen so wie man es von Postkarten kennt.
Leider mussten wir Sonntag früh schon wieder aufbrechen (Richtig, wir haben den Nachtbus nach Hause genommen). Noch ne Woche länger wäre fein gewesen - nicht nur für meinen "Teng" - dann wäre ich vielleicht auch mal aufs Brett gestiegen. Das alles war ein toller Vorgeschmack auf August. Ich kann mir gerade schwer vorstellen, wie ich ab Anfang Juni produktiv sein soll...


Philipps lustige Tiergalerie (Folge 1):

Erste Station: Porto Alegre

(16.05.08)

Meine erste Station ist Porto Alegre, die Hauptstadt vom Bundesstaat Rio Grande do Sul, also dem südlichsten Brasiliens. Ganz zufällig residiert hier zur Zeit die Tini, aufgrund auslandssemestertechnischer Verpflichtungen und so habe ich natürlich keine Unterkunft suchen müssen.
Die erste Überraschung für mich war irgendwie das Wetter. Hatte es so richtig herbstlich erwartet mit nass und bäh, aber so lass ich mir das gefallen. Bis jetzt nur blauer Himmel etc, und so komme ich dieses Jahr also doch noch in den Genuss von T-Shirt und Shorts.
Ansonsten erinnert mich die Stadt ein wenig an Maputo. Man findet immer mal wieder schöne alte Kolonialbauten zwischen den Hochhäusern welche zahlreich vorhanden sind. Und dennoch ist alles ein bisschen moderner, größer und auch ein bisschen (aber nur ein bisschen) sauberer als in Mosambik.

Was einem unerfahrenen Europäer wir mir auffallen MUSS wenn er ins Land der Gaúchos kommt (und nicht gerade mit einem 2.5m bis 4m dicken Balken vor dem Kopf rumrennt) ist das Phänomen Chimarrão. Man kann es einfach nicht übersehen, es springt einem förmlich ins Auge innen rein. Wenn man am späten Nachmittag durch den Park läuft, muss man lange suchen bis man jemanden findet, der keine Thermoskanne und Cuja bei sich hat. Bin mal gespannt ob sich das Mate-Trink- oder Zubereitungsverhalten drastisch ändert wenn ich nach Argentinien komme. Ich werde dann berichten...
Wie man sieht bin ich also sehr gut angekommen und fühle mich hier sehr wohl, was auch an der tollen WG liegt in der ich hier wohne. Heute Abend ist hier eine kleine Party und ich bin mal sehr gespannt auf die Konversationen die ich führen werde mit meinen drei Worten Portugiesisch. Aber hey, man hat ja noch Hände und Füße.

Los geht's!

(11.05.08)

Die Sachen sind gepackt, schnell noch ne Auslanskrankenversicherung abgeschlossen und los kann das gehen. Ojeoje, je näher die Stunde der Wahrheit anrückt, desto nervöser werde ich. Gestern war von Alledem noch nichts zu spüren bei Grillsteak, Bier und der ein oder anderen Shisha. Jungs, das Abschiedsgrillen war echt scheeee! Freu mich schon aufs Wiedersehen.

Marokko '08

(23.04.08)

Am 16.02. sind mein Vater und ich von Frankfurt/Hahn (welches ürigens nicht in der Nähe von Frankfurt liegt) nach Fès geflogen um unsere Marokko-Reise anzutreten. Fès ist eine der vier Königsstädte Marokkos und hat eine unglaubliche Altstadt. Die über 1000 Jahre alte Medina lädt ein zum Bummeln und Verirren und bietet jede Menge historische und kulturelle Highlights, wie die Kairouine Moschee oder die Medersa Bou Inania. Die Altstadt ist quasi nicht mit dem Auto zu erreichen, d.h. die gesamte Logistik heute wie früher läuft über Eselskarren. Das mag jemandem, der aus einer "geordneten Stadt" kommt ein wenig chaotisch erscheinen. Dennoch scheint es zu funktionieren. Man sollte auch dringendst auf die Rufe der Eselstreiber achten, sonst wird man gnadenlos über den Haufen gefahren.
Neben der Altstadt und ihren Sehenswürdigkeiten war für mich der Besuch des Hammams ein Höhepunkt in Fès. Wenn man so etwas noch nie gemacht hat, ist man natürlich erstmal skeptisch, da man ja nicht so genau weiß, wie das da so läuft. Man könnte es am Besten mit einem Dampfbad vergleichen - jedoch mit zusätzlichem Massagefeature. Wer keine Probleme damit hat von kräftigen Männerhänden auf - aus unserer Sicht - recht unorthopädische Art und Weise massiert bzw. zermalmt zu werden dem sei ein Hammambesuch wärmstens (hmm, "wärmstens" ist an dieser Stelle vielleicht ein wenig irreführend) ans Herz gelegt. Danach schläft man wie ein Baby und diverse Schulterbeschwerden sind Schnee von Gestern.

Als Rucksacktouristen waren wir in der ersten Hälfte unserer Reise auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Das hat auch sehr gut geklappt, da die Verbindungen mit Bus, Taxi oder Bahn zwischen den Städten recht gut sind und man sich mit Französisch überall sehr gut verständigen kann (zweite Landessprache). An dieser Stelle sei jedoch gesagt, dass das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur dann empfehlenswert ist, wenn man ein hohes Maß an Toleranz gegenüber arabischer Musik besitzt. Diese wird nämlich generell mit einer faszinierenden Penetranz abgespielt und zwar in einer Lautstärke, die der eines startenden Jumbojets gleichkommt. Man kann sich vorstellen, dass nach einer derartigen Busfahrt die Nerven blank liegen...
Unsere Reise hat uns weitergeführt zur zweiten Königsstadt Meknes. Von dort aus haben wir einen sehr schönen Tagesausflug zur "heiligen Stadt" Moulay Idriss und zu den Römerruinen nach Volubilis unternommen. In Moulay Idriss befindet sich die Grabstätte von Idriss I. (Begründer der ersten arabischen Herrscherdynastie auf marokkanischem Boden) und für viele Marokkaner, vor allem für die, die es sich nicht leisten können, ist ein Besuch dieses Grabes ein Ersatz für die Reise nach Mekka.
Das nächste Ziel unserer Reise war Chefchaouèn im Rifgebirge. Dieses nahezu gänzlich in blau gehaltene Bergstädtchen hat den Ruf, ein Paradies für den Konsum diverser illegaler Substanzen zu sein. Und tatsächlich konnte man an so manchen Ecken und Enden Eindeutiges riechen. Dies jedoch war natürlich (!) nicht der primäre Grund unseres Aufenthalts. Vielmehr hätten wir gerne die umliegenden Berge etwas näher erkundet, was jedoch aufgrund des nasskalten und nebligen Wetters nicht möglich war. Dennoch ist ein Besuch der blauen Stadt sehr zu empfehlen, da hier die Uhren ein wenig langsamer gehen.


Mit Bus und Zug ging es dann innerhalb von einem Tag von Chefchaouèn über Tanger nach Rabat...

Hier entsteht ein kleiner Blog

(16.04.08)

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